Kriminalprognosen

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Kriminalprognosen2019-03-25T18:57:16+00:00

Kriminalprognosen oder forensische Prognosen allgemein

Das Wort „Prognose“ ist in gewisser Weise nicht ganz zutreffend, da es wörtlich übersetzt „Vorhersage“ bedeutet, was in diesem Zusammenhang nicht  ganz richtig ist. Menschliches Verhalten lässt sich niemals zu 100% vorhersagen. Wir können maximal Wahrscheinlichkeiten einschätzen und in verschiedenen Bereichen mit Hilfe entsprechender Studien zu Vergleichsgruppen statistische Wahrscheinlichkeiten berechnen. Aber wir können niemals eine Vorhersage mit 100%iger Sicherheit über das Verhalten eines Menschen, das noch in der Zukunft liegt, treffen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Wozu braucht man das dann überhaupt, wenn man ohnehin keine Sicherheit hat?“ Ich würde sagen, weil auch Wahrscheinlichkeitseinschätzungen uns bei Entscheidungen helfen können, selbst wenn es keine Sicherheit gibt. Wir planen einen Ausflug zum See oder ein Picknick auch eher für einen Tag, für den die Wettervorhersage schönes Wetter vorhersagt, als an Tagen, an denen die Regenwahrscheinlichkeit enorm hoch sein soll. Oder stellen Sie sich vor, Sie hätten zwei geladene Revolver vor sich und mit einem von beiden müssten Sie russisch Roulette spielen. In einer der Waffen befindet sich nur eine Patrone und fünf leere Kammern. In der anderen genau umgekehrt fünf Patronen und nur eine leere Kammer. Hier lässt sich eine ganz konkrete und präzise Wahrscheinlichkeit dafür ausrechnen, dass Ihre Chancen mit der Waffe mit der einen Patrone fünfmal besser stehen, als wenn Sie die Waffe mit den fünf Patronen wählen. Dennoch kann es auch mit dieser Waffe passieren, dass Sie genau diese eine geladene Kammer erwischen…

Können uns Kriminalprognosen Sicherheit bieten? Nein. Können sie uns dennoch bei wichtigen Entscheidungen weiterhelfen? Absolut.

Forensische Prognoseverfahren geben nicht nur Information über die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls oder die Einschätzung der Wiederholungsgefahr, sie zeigen bei einem Straftäter mitunter auch auf, welche Risikofaktoren vorliegen, die die bei ihm ausgewiesene Rückfallwahrscheinlichkeit erhöhen und somit, an welchen Risikofaktoren bei diesem Menschen gearbeitet werden muss, um die Wiederholungsgefahr zu senken. Einige dieser Instrumente geben also wichtige Hinweise für die Behandlungsplanung.

Nimmt man beispielsweise das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Wenn ein Mann um die 50 ist, ist das Herzinfarktrisiko höher als bei einer Frau um die 25. Wenn der Mann um die 50 aber auch einen hohen Cholesterinspiegel und Bluthochdruck hat, ebenso übergewichtig ist und raucht, ist die Wahrscheinlichkeit, im Zeitraum von fünf Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen umso höher. Wenn der Arzt mit dem Mann einen Behandlungsplan erstellt und der Mann diese Risikofaktoren abbaut, und auch noch anfängt regelmäßig Sport zu treiben und Stress zu vermeiden (Schutzfaktoren aufbaut), dann sinkt diese Wahrscheinlichkeit.

Kriminalprognostische Verfahren helfen uns somit, das Risikopotenzial von Straftätern einzuschätzen und Empfehlungen für eine Behandlungsplanung abzuleiten.