Behandlungsangebot

Foto: Wilhelmine Wulff / pixelio

Behandlungsangebot2019-03-23T14:01:12+00:00

Behandlungsangebot für jugendliche oder erwachsenen Sexualstraftäter

Für Sexualstraftäter liegen verschiedene Therapie- bzw. Behandlungsprogramme vor – sowohl für sexuell übergriffige Jugendliche als auch für Erwachsene. Allen Behandlungsprogrammen ist gleich, dass sie deliktorientiert und rückfallpräventiv ausgerichtet sind. Die meisten Programme gehen auch in unterschiedlicher Gewichtung auf deliktunspezifische, persönlichkeitsfördernde Themen ein. Dennoch unterscheiden sich die Behandlungsprogramme in ihrem Aufbau, der Herangehensweise und den Methoden zum Teil erheblich.

Aufgrund dieser Unterschiede war es mir wichtig, mich in den verschiedenen Behandlungsprogrammen ausbilden zu lassen, um eine fundierte Bewertung vornehmen zu können. Das Anti-Sexuelle-Aggressivität-Training (im Folgenden nur noch ASAT®) hat mich sowohl vom gesamten Aufbau als auch von der Herangehensweise sowie der inhaltlichen Gewichtung am meisten überzeugt, weshalb ich dieses Programm anbiete und im Folgenden näher vorstellen möchte. Die Ausbildung zur ASAT-Trainerin erfolgte über das Zentrum für Kriminologie & Polizeiforschung (ZKPF) durch Rita Steffes-enn.

Das ASAT® stellt ein rückfallpräventives Lern- und Trainingsprogramm in der Arbeit mit strafmündigen, sexuell übergriffigen Menschen dar. Dabei handelt es sich um kein statisches Programm, sondern um eines, das seit seiner Konzipierung im Jahr 2001 kontinuierlich anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse überprüft und gegebenenfalls modifiziert wird.[1] Das Training unterteilt sich in

  • eine Clearingphase

  • eine Motivationsphase

  • eine Analysephase

  • eine Selbstwirksamkeitsphase sowie

  • eine Nachsorgephase

und ist modular aufgebaut. In den einzelnen Modulen werden zum einen dynamische und allgemein kriminogene Risikofaktoren behandelt, zum anderen wird auf den Ausbau der dynamischen sowie allgemein kriminogenen Schutzfaktoren abgezielt.

Das ASAT® wird sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich angewendet. Es ist im forensischen Kontext mit erwachsenen Klienten ebenso wie in der ambulanten oder stationären Jugendhilfe geeignet und kann sowohl als Einzel- als auch als Gruppenmaßnahme durchgeführt werden.

„Die Grundhaltung im Training ist geprägt von

  • einem bindungsbasierten Umgang mit den Klienten zur Erhöhung der Ansprechbarkeit durch die Intervention,

  • einer eingehenden (systemischen) Betrachtung des kriminogenen Bedarfs jedes einzelnen Klienten und

  • dem Verständnis von Konfrontation als konstruktive Herausforderung auf Grundlage einer symmetrischen und komplementären Beziehungsgestaltung.“[2]

Das ASAT® ist wie eingangs erwähnt ebenfalls deliktorientiert, d. h. es zielt auf die Veränderung der individuell deliktrelevanten dynamischen Risiko- und Schutzfaktoren ab. Primäres Ziel des ASAT® stellt die Befähigung des Klienten zum rückfallvermeidenden Self-Risk-Management dar.[3]

„…jeder Klient [soll] im ASAT® seine individuelle, dem Delikt verschlüsselt zu Grunde liegende Bedürfnisstruktur erfassen und straffreie Handlungsalternativen zur Abdeckung der eigenen (meist nicht sexuellen) Bedürfnisse entwickeln lernen.“[4]

Zudem richtet sich das ASAT® an dem sogenannten RNR-Prinzip aus:

  • Risikoprinzip (Risk),

  • Bedarfsprinzip (Need) und

  • Ansprechbarkeitsprinzip (Responsivity).

Eine weitere große Bereicherung stellte für mich in der Ausbildung dar, dass neben den wichtigen Erkenntnissen der Bindungsforschung auch Methoden verschiedener Ansätze vermittelt wurden, die entsprechend in das Programm einfließen. „Hierzu zählen u. a.:

  • Bindungsbasierte Therapie

  • Methoden der Systemischen Therapie

  • Methoden der Gestalttherapie

  • Methoden des Psychodramas

  • Methoden der rational-emotiven Therapie

  • Methoden zur Tathergangsbetrachtung und deliktorientierten (Sexual-) Anamnese

  • Verknüpfung mit dem Good Lives Model (GLM)“[5]

Auch wenn ich das ASAT® als Behandlungsprogramm für sexuell grenzverletzende Personen favorisiere, wäre ggf. auch eine Durchführung des „Behandlungsmanual für die Arbeit mit jugendlichen Sexualtätern“ (BMJS 12/21) oder des „Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter“ (BPS-R) möglich.

[1] Vgl. Zentrum für Kriminologie & Polizeiforschung. [URL: https://www.zentrum-fuer-kriminologie-polizeiforschung.de/index.php/de/seminar-fortbildung-vortrag/weiterbildung-zusatzqualifikation-training-asat-det-aat-face-to-face/sexualstraftaeter-therapie-asat-ausbildung-sexuell-uebergriffige.html Stand: 11.12.2018]

[2] Ebd.

[3] Vgl. ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.